Beutelomausi

Nicht ganz dicht und trotzdem bereit der Welt in den Arsch zu treten.

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Ein ehrlicher Blick auf das Leben mit Morbus Crohn, Stoma und all das, was trotzdem schön ist.

Die Wunden Teil II

27. April 2025 12:00 Uhr Instagram

Und ab jetzt heilt es! ✨

An diesem Morgen versuche ich es mit Kompressen aus schwarzem Tee und einer längstmöglichen pflasterfreien Zeit.

Aus dem Stoma kommt permanent Flüssigkeit.

Inzwischen brennen nicht mehr nur die Wunden, sondern mein gesamter Bauch.

Jedes Mal, wenn ich mit der Kompresse versehentlich an die Wunden gerate, ist es wie ein Stich mit einer heißen Nadel.

Schmerz fährt durch meinen gesamten Körper. Ich schaue an mir herunter und frage mich, was ich bloß noch tun kann. Wie ich das wieder in den Griff bekomme.

Tränen schwimmen in meinen Augen als ich mit zitternden Fingern den Beutel in Rekordzeit aufklebe.

Noch während ich das tue, sehe ich, wie das Stoma erneut fördert.

Ich versuche den Beutel schnell an meinen Bauch zu drücken. Dabei presse ich die Hand etwas zu sehr auf die Wunde. Wieder ein Brennen, das meinen gesamten Körper durchzieht.

Ich atme kurz tief durch. Überlege, ob das jetzt halten wird.

Ich schaue mich im Bad um. Um mich herum verschmutzte Wickelunterlagen, mehrere kleine gefüllte Müllbeutel, leere Kompressenpackungen und die zwei Kulturtaschen mit weiteren Materialien, die nun teilweise zerstreut im Bad herum liegen.

Es gleicht einem Schlachtfeld. Ähnlich dem, wie es in mir aussieht.

Mein Blick geht Richtung Spiegel.

Die eben erst aufgetragene Schminke unter meinen Augen ist verlaufen, mein Gesicht knallrot, meine Augen glasig, meine Haare zerwühlt.

Ich fahre mit meinen Händen durch meine Haare, versuche sie zu bändigen.

Da merke ich es auf einmal: Das Brennen hat nachgelassen. Der Schmerz ist weg.

Ich halte kurz inne; schließe die Augen; spüre wie friedlich es plötzlich ist.

Genieße diesen Moment - unmittelbar nach der Schlacht.

Alles ist ruhig. Jetzt gerade. Wenn auch nicht für lange.

Beutelomausi