Beutelomausi

Nicht ganz dicht und trotzdem bereit der Welt in den Arsch zu treten.

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Ein ehrlicher Blick auf das Leben mit Morbus Crohn, Stoma und all das, was trotzdem schön ist.

Wie es ist Träume aufzugeben

31. Dezember 2024 12:00 Uhr Instagram

Ich wünsche Euch ganz viele Träume, die Ihr wirklich verwirklichen werdet. Ich wünsche Euch, dass weder Krankheiten noch andere Ereignisse, Eure Ziele, Wünsche und Vorhaben zerstören. Ich wünsche Euch, dass Ihr 2025 glücklich seid!

Meine Freundinnen und ich haben eine Tradition:

Jedes Jahr, rund um den Jahreswechsel, treffen wir uns, um gemeinsam auf das Jahr anzustoßen.

Da wir.es alle seit einigen Jahren nicht mehr schaffen, die Silvesternacht gemeinsam zu verbringen, finden wir stets einen Termin vor oder nach dem Übergang, an dem wir alle zusammen kommen.

Über die Jahre haben sich Rituale eingebürgert:

Es gibt Raclette, wir öffnen gemeinsam Glückskekse, singen „Happy new year“ von ABBA, sobald es 0 Uhr wird und machen jeder eine Wunderkerze an.

Anschließend blicken wir zurück auf das vergangene Jahr - erzählen von den schönsten Momenten, wofür wir dankbar sind und blicken auf das nächste Jahr - auf unsere Ziele und worauf wir uns freuen.

Im letzten Jahr stand mein Ziel fest:
Fokus auf meine Gesundheit.

Und ich weiß noch, wie ich mit meinen Freundinnen am Tisch saß - umgeben von Konfetti und abgebrannten Wunderkerzen - und voller Sorge auf dieses ungewisse Jahr blicke.

Da war keine Freude in mir.
Meine erste große Operation war für Ende Januar geplant. Dieser Termin schien alles um ihn herum in den Schatten zu stellen. Ich hatte für den gesamten Februar jegliche Vorhaben abgesagt. An die Planung von Urlauben in diesem Jahr war zu dem Zeitpunkt nicht zu denken.

In diesem Moment dachte ich an all die letzten Silvesterabende mit meinen Freundinnen und all Meine Ziele, Wünsche und Vorhaben für die damals anstehenden Jahre.

Und an meine Krankheit, die all die Jahre so viele von ihnen geraubt hatte.

Als die Uhr schließlich auf 0:00 Uhr umspringt, glühen die Funken unserer Wunderkerzen in die Nacht hinein. Das Lied von ABBA beginnt zu laufen und zwischen all den Umarmungen und guten Wünschen höre ich es.

Höre die Worte von ABBA, wie sie es laut und deutlich singen und ich begreife, dass es schon immer Menschen gab, die fühlen mussten, wie es ist Träume aufzugeben.

Dass es noch mehr Menschen gibt, deren wunderbare Vorsätze und Ziele durch Krankheiten oder andere Ereignisse zunichte gemacht werden.

Und dass es manchmal einfach ungerecht ist.

Seemsto me now
That the dreams we had before
Are all dead, nothing more
Than confetti on the floor

Beutelomausi