Beutelomausi

Nicht ganz dicht und trotzdem bereit der Welt in den Arsch zu treten.

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Ein ehrlicher Blick auf das Leben mit Morbus Crohn, Stoma und all das, was trotzdem schön ist.

Wie das jemals wieder gut werden soll

20. März 2025 12:00 Uhr Instagram

Ich klammere mich an das Taschentuch, welches mir die Krankenpflegerin netterweise gereicht hatte.

In meinen Augen stehen Tränen. Ich wage es kaum zu sprechen, in dem Wissen, dass meine Stimme sowieso versagen würde.

„Es ist viel, viel besser geworden.“ sagt der Arzt zum wiederholten Male, als würde das ausreichen. „Aber eben noch nicht gut genug für eine Operation.“ Ich presse die Lippen zusammen, um die Enttäuschung zu unterdrücken. Schließlich öffne ich sie zaghaft und bringe mühsam hervor: „Wie lange?“

Der Arzt versteht meine Frage, nach der erneuten Zeit, die ich warten muss, sofort. „3 Monate.“ antwortet er ohne Umschweife. Da sind wir also wieder. Erneut 3 Monate. Die pauschale Antwort auf alles.

Ich rechne es kurz in meinem Kopf durch. Es werden also mindestens nochmal ein halber Februar, ein ganzer März, ein ganzer April und ein halber Mai voller Ungewissheit vergehen müssen.

Natürlich, es wird besser. Und mir geht es so gut wie noch nie. Und irgendwie reicht mir das auch an den meisten Tagen.

Und dennoch sind da dann manchmal noch die Tage, an denen man das Minenfeld betrachtet, das einst der eigene Körper war, und einfach nicht mehr weiß, wie das jemals wieder gut werden soll.

Beutelomausi