Wenn Schmerzen sichtbar wären
Wenn Schmerzen sichtbar wären, würden Ärzte uns endlich ernst nehmen. Würden Fehlzeiten nicht hinterfragt und Absagen nicht negativ bewertet werden. Wenn Schmerzen sichtbar wären, wäre die Welt vielleicht besser.
Was denkt ihr?
Welche Gefühle sollten für andere sichtbar sein?
Wichtig: Diese und alle weiteren Fragen habe ich mir nicht selbst ausgedacht. Sie sind Teil der „5 schnellen Fragen“ aus dem Podcast „Gemischtes Hack“.
Manchmal stelle ich meinen Kursen zum Kennenlernen ausgefallene Fragen, damit wir etwas Abwechslung
haben. Eine dieser Fragen lautet:
„Wenn ein Gefühl für jedermann sichtbar sein könnte, welches würden Sie wählen?“
Nahezu alle Personen, die ich bisher gefragt haben, antworteten auf diese Frage interessanterweise mit positiven Gefühlen.
Sympathie. Freude. Und Liebe - sagte zuletzt einmal jemand. Bei all diesen Antworten nickte ich stets, empfand sie auch als gut, dachte mir jedoch gleichsam insgeheim, ob das nicht zu einfach ist.
Schwierig wird es höchstens, wenn so ein Gefühl wie Liebe oder Sympathie mal nicht mehr zu sehen ist. Und können wir nicht all diese Dinge schon so zum Ausdruck bringen?
Froh bin ich dagegen jedes Mal, dass mir noch nie jemand diese Frage zurück gestellt hat. Denn zu keiner meiner Fragen für die Kennenlernrunde habe ich so eine klare Antwort wie zu dieser.
Schmerz.
Ich stelle mir manchmal vor, wie eine Welt wäre, in der sich die Augen verfärben, sobald man Schmerzen spürt. Ein helles Blau zeigt ein leichtes Ziehen im Unterleib an. Orange wird unsere sonst zumeist weiße Lederhaut des Auges bei stärkeren Kopfschmerzen. Vielleicht lila, wenn dein Herz so sehr schmerzt, dass du kaum mehr atmen kannst. Und schwarz.
Wenn alles weh tut und du nicht mehr weißt, wohin mit all dem Unerträglichen, das dich zu zerreißen droht.