Beutelomausi

Nicht ganz dicht und trotzdem bereit der Welt in den Arsch zu treten.

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Ein ehrlicher Blick auf das Leben mit Morbus Crohn, Stoma und all das, was trotzdem schön ist.

Nicht mein Urlaub

17. November 2024 12:00 Uhr Instagram

Wenn ich nach meinem diesjährigen Sommerurlaub gefragt wurde, antwortete ich stets eins: „Es war objektiv gesehen ein wunderschöner Urlaub. Nur es war eben nicht MEIN Urlaub.“

Im August fuhren wir zwei Wochen nach Kroatien.
Die Eltern meines Freundes hatten hier eine Villa angemietet, die keine Wünsche offen lies. Es gab einen Pool, einen Billiardtisch und eine Minigolfanlage - alles nur für uns Alleine. Es war wirklich traumhaft!

Ich hatte gerade von meinem Arzt eröffnet bekommen, dass das Medikament, welches ich aktuell nahm, nicht wirkte. Warum also etwas weiternehmen, was eh nicht hilft, dachte ich daher, und setzte am dritten Tag im Urlaub die Tabletten ab.

Wer schon einmal im August in Kroatien war, weiß, dass dort im Sommer absurde Temperaturen herrschen. Bei über 35 Grad waren wir unfassbar dankbar für den Pool direkt vor unserer Nase.

Und ich hatte mich wirklich gut vorbereitet: Hatte mir eine Neoprenbandage, extra Fixierstreifen und sogar neue Bikinis besorgt, die etwas über Bauchnabelhöhe endeten.

Und trotzdem merkte ich von Tag zu Tag wie ich gestresster wurde: Die Temperaturen waren erdrückend; die Vorbereitungszeit, bis man in den Pool konnte, stresste mich und auch im Pool hatte ich noch zu viel Sorge, dass etwas passieren konnte.

Parallel dazu wurden die Schmerzen von Tag zu Tag schlimmer. Sobald ich merkte, dass sie begannen, musste ich mich sofort hinsetzen und einrollen. Es waren zwar meistens nur 30-60 Sekunden - länger wäre es aber auch nicht aushaltbar gewesen.

Zum Ende des Urlaubs war ich kaum mehr ich selbst:
Zu den Schmerzen hatte sich ein Sodbrennen dazu gesellt. Aus dem Sodbrennen wurden später Schluckbeschwerden. Inzwischen konnte ich kaum mehr etwas essen und musste mich einmal in der Stunde hinsetzen, um die Schmerzen zu überstehen.

Ich verstand die Welt nicht mehr: Das alles war viel zu schnell und viel zu tief bergab gegangen.

Beutelomausi