Beutelomausi

Nicht ganz dicht und trotzdem bereit der Welt in den Arsch zu treten.

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Ein ehrlicher Blick auf das Leben mit Morbus Crohn, Stoma und all das, was trotzdem schön ist.

Kontrollverlust

15. Dezember 2024 12:00 Uhr Instagram

Keine Pointe. Aber vielleicht habt ihr eine?

„Boah hier stinkt es aber!“ ruft eine Frau hinter mir.

Ich bin in der Stadt unterwegs. Es herrscht dichtes Gedränge in den Läden - die typische Vorweihnachtszeit. Die Leute sind gehetzt und gestresst. Und auch an mir geht das nicht vorüber. Ich eile durch die Läden. Systematisch scannt mein Blick die Regale ab.

Könnte ich es doch genießen, denke ich. Doch die Unruhe in mir, lässt mich nicht. Zu viele Geschenke, die ich noch brauche. Zu wenig Zeit, die mir noch bleibt.

Und so hetze auch ich durch den Laden, bis ich plötzlich den Ausruf der Frau höre. „Boahhhier stinkt es aber.“

Ich merke wie ich erstarre. In meiner Bewegung verharre und erstmal in mich hineinhorche.
Bin ich vielleicht der Auslöser ihres Beklagens? Könnte mir etwas passiert sein? Ohne dassich es gemerkt habe?

Ich halte inne und spüre für einen kurzen Augenblick nur mich.
Nein, denke ich. Ich bin das nicht.
Und doch merke ich, wie ich angefangen habe zu schwitzen. Was, wenn ich es gewesen wäre.

So ist es immer - seit ich diese Krankheit habe.

Obgleich ich mich nicht erinnern kann, jemals wirklich der Auslöser für den ehrlich ausgesprochenen Ekel anderer gewesen zu sein, ist da diese Angst, die mich stets begleitet.
Ich nutze Unmengen an Waschmittel, gehe jeden Morgen duschen und ohne Parfüm und Deo niemals aus dem Haus. Aber all das kann meine Angst nicht im Zaum halten.

Gab es doch zu viele Momente in meinem Leben, in denen ich meinen Körper nicht kontrollieren konnte - und dieses Gefühl, diese Angst vor einem Kontrollverlust, mit all seinen Folgen, ist da und bleibt.

Keine Pointe.

Beutelomausi