Ich bin halt so
Für die, die es hören müssen: Ihr seid auch nicht so!
Ich bin halt so.
Irgendwann habe ich das wirklich geglaubt.
Habe ich mir doch so oft meine Mutter angeschaut, die niemals still sitzen kann, ständig auf den Beinen
ist, immer fleißig, immer aktiv, irgendetwas zu tun haben muss.
Und ich hatte so gar nichts von ihr.
Musste mich immer wieder hinsetzen. Brauchte so viel Pausen. Viel Schlaf. Dauernd Ruhe. Undenkbar, jeden Tag den Haushalt zu machen oder neue Projekte anzugehen.
Ich bin halt so.
Da war ich mir sicher.
Und dann waren daall die anderen.
Die so viel gemacht haben. Arbeiten gingen und nachmittags dann zu den Hobbys. Und am Wochenende - immer Programm.
Während ich zuhörte. Ihren wilden Erlebnissen lauschte. Von all dem Trubel.
Denn Arbeiten und dann noch Hobbys? Undenkbar.
Ich bin halt so.
Das haben sie mir eingeredet.
Eher von der ruhigen Sorte. Ständig müde. Wenig unternehmungslustig. Sensibel. Zerbrechlich. Zurückgezogen.
Und ich habe ihnen geglaubt.
Bis zu dem Tag meiner zweiten Operation. Da war plötzlich alles anders. War doch da so viel Stärke in mir und Kraft und Energie. Auf einmal konnte ich es auch alles. Arbeiten und Unternehmungen und Haushalt und Leben.
Ich bin nicht so.
Bin es nie gewesen. Meine Krankheit ist es und kann mich so machen.
Aber ich - ich bin das nicht.