Bloß mein Alltag
Wann ist das alles so selbstverständlich geworden, denke ich mir jeden Morgen, wenn ich routiniert meine zwei Kulturtaschen für die Stomaversorgung aus dem Schrankzerre.
Die Wickelunterlage ausbreite, Müllbeutel und Kompressen drapiere, den Beutel zusammenfalte und Schere und Hautschutzringe dazulege.
Irgendwann hat’s sich etabliert - war es plötzlich keine grauenvolle Angelegenheit mehr, sondern eben das - mein Morgen. Etwas das dazu gehörte, wie der Kaffee oder das Zähneputzen.
Und ich erinnere mich zurück, wie ich einst immer sukzessive die kleinen Müllbeutel in der Drogerie geholt habe.
Jeweils 80 Stück waren in einer Packung.
Und bei jedem Einkauf sagte ich mir: Dieses Mal wird’s das letzte Mal sein. Dieses Mal wirklich.
Doch das wurde es nicht und so verging Einkauf um Einkauf, Morgen um Morgen und ich merkte gar nicht, dass es irgendwann eben überhaupt nicht mehr schlimm war, sondern einfach das - bloß mein Alltag.