Beutelomausi

Nicht ganz dicht und trotzdem bereit der Welt in den Arsch zu treten.

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Ein ehrlicher Blick auf das Leben mit Morbus Crohn, Stoma und all das, was trotzdem schön ist.

Es war ihm wichtig

14. Februar 2025 12:00 Uhr Instagram

An einem Tag hatte er seine Freunde eingeladen. Ich sollte sie kennenlernen. Es war ihm wichtig.

Und ich hatte mich ebenfalls drauf gefreut. Vorbereitungen getroffen. Essen geplant. Termine umgelegt.

Doch dann kam alles anders.

Am Morgen war ich unterwegs gewesen.

Die Versorgung wurde undicht. Ich machte mich notdürftig auf einer Toilette mit schummrigen Licht frisch. Meine Kleidung war verdreckt, mein Herz erneut gebrochen. Mein Bauch brannte, meine Seele schmerzte.

Als ich ihm sagte, was passiert war, hat er alles vorbereitet. Die Badewanne einlaufen lassen, neue Versorgung rausgelegt und frische Anziehsachen.

„Das wird schon wieder.“ hat er gesagt und ich hätte ihm so gern geglaubt.

Doch ich fühlte mich so unsicher und, selbst nachdem alles frisch war, noch schmutzig. Es wird wieder nicht halten, sagte ich zu mir
selbst. Es wird erneut passieren, da war ich mir sicher.

Und all seine Freunde schließlich kamen, war ich nicht mehr da. War geflohen. Hatte mir ein Buch genommen und mich in ein stickiges Fastfood-Restaurant gesetzt. Konnte doch nicht riskieren, dass sie mich kennenlernten und sofort sahen, wie ekelerregend ich war.

Als ich einige Stunden später nach Hause kam, waren seine Freunde bereits weg.

Er stand da, neben ihm benutzte Gläser und leere Pizzakartons und sein Blick war nicht hasserfüllt oder wütend, wie er hätte sein können.

Er war voller Traurigkeit und Enttäuschung: „Ich hatte mir gewünscht, du würdest sie kennenlernen.“ Seine Stimme war kaum ein Flüstern. „Das hatte ich wirklich.“

Und ich konnte einfach nichts erwidern.

Beutelomausi