Als hätte man versagt
Ich habe es schon mal gesagt und ich sage es gerne noch ein dutzend Mal, bis auch der Letzte es verstanden hat.
Das geht an all die Mansplainer, Besserwisser und Belehrbären da draußen:
Kümmert euch um Eure eigenen scheiß Angelegenheiten!
„Das ist die Behindertentoilette.“ sagt der Fremde zu mir.
Und dabei bin ich bis gerade so glücklich gewesen. Das erste Mal seit der zweiten Operation sind wir beim Chinesen essen. Und ich lade meinen Teller am Buffet auf. Esse. Ohne Schmerzen. Stattdessen mit Genuss. Es ist eine Wohltat. Das erste Mal seit ich denken kann, dass sich der Preis eines Buffets für mich lohnt. Ich ihn nahezu voll auskoste.
Doch wenn man einen Bissen nach dem anderen in sich hinein schaufelt, bleibt es nunmal nicht aus, dass man irgendwann zur Toilette muss.
Die WCs sind grundsätzlich zentral beim Buffet zu finden. Nicht jedoch die Behindertentoilette. Sie ist am anderen Ende des Restaurants - hinter einer Reihe von Tischen versteckt. Jeder davon voll besetzt. Und ich kämpfe mich durch die essenden Leute, die mich anstarren und beobachten, weil ich doch aus ihrer Sicht so auf Abwegen zu sein scheine.
„Das ist die Behindertentoilette.“ sagt der Fremde zu mir und hat dabei noch nichtmals unrecht.
Mir ist schlecht. Das Hochgefühl ist verflogen. Mein Lachen ist fortan hohl. Mein Strahlen dahin. Es ist nicht mal die Aussage des Mannes. Viel mehr istesall das was dahinter steckt. Obwohl dieser Mann mit seiner Aussage recht hatte, hatte er kein Recht, mich anzusprechen, zu belehren oder Hinweise zu geben.
Man sieht es mir nicht an und trotzdem habe ich einen Anspruch darauf diese Toilette zu nutzen.
Und in diesen Momenten bin ich nicht sauer auf den Fremden, für seine unreflektierte Aussage - sondern vielmehr auf mich. Dass ich nichts antworten will. Vielleicht sogar nichts antworten kann.
Man brüllt nunmalnicht eben so durchs Restaurant: „Ich hab einen künstlichen Darmausgang. Ich darf das.“ Und noch weniger zieht man sein Shirt hoch. Also sagt man schlicht „Ich weiß.“ und lächelt dabei. Obgleich einem nicht mal zum Lächeln zu mute ist. Obgleich es ist, als hätte man versagt. Obgleich man danach zu seinem Tisch zurückläuft, zurück zu einer Normalität, in der sich alles plötzlich nur noch falsch anfühlt.