All das Wesentliche
Heut mal zu einem etwas anderen, dafür vermutlich nicht weniger wichtigen Thema.
„Bist du dir ganz sicher, dass du dir das wünschst?“ hatte ich meinen Freund ganze acht Mal gefragt.
Wir standen gemeinsam im Lego-Store, als er den Bausatz zum ersten Mal gesehen hat und seine Begründung für diesen Wunsch fand ich wunderschön und traurig zugleich:
„Ich möchte noch einmal diesen Zauber von Weihnachten erleben“, sagte er.
Ich konnte in seinem Blick sehen, dass er in diesem Moment ganz woanders war. „Noch einmal am ersten Weihnachtstag morgens auf dem Boden liegend Lego zusammenbauen und sich über die Geschenke freuen. Sich so fühlen wie man sich als Kind gefühlt hat; als alles noch aufregend und magisch war.“
Obgleich ich wusste, dass seine Bemühungen vergeblich sein würden, gab ich schließlich, als er es mir zum achten Mal sagte, nach.
Und so bekam er zu Weihnachten von mir einen Legobausatz für ein wahnsinnig großes Flugzeug.
Es vergingen schließlich zwei Tage.
Am 27. Dezember, es war sehr früh, saß ich noch schlaftrunken mit meinem Kaffee in der Hand auf der Couch, als ich es sah.
Da stand dieses wahnsinnig große Flugzeug, nahezu fertig gebaut. Grade einmal ein winziges Stück von der Vorderseite fehlte noch.
Ich erschrak und dachte umgehend:
Wann zür Hölle ist das passiert?
Es kam mir so vor, als hätte ich ihn gerade noch am späten Heiligabend die ganzen Teile auspacken und sortieren sehen und im nächsten Moment stand dieses Flugzeug fast perfekt zusammengebaut vor mir.
Und so sehr ich mich auch bemühte, Bilder des Aufbauvorgangs in meinem Kopf hervorzukramen, ich fand kaum welche.
Stattdessen sah ich plötzlich mich selbst:
Wie ich mit dem Handy in der Hand, auf Instagram vertieft; in meiner Notizenapp wühlend oder gebannt auf WhatsApp blickend da saß und meiner Umwelt keinerlei Beachtung schenkte.
Und ich spürte eine unfassbare Scham in mir aufkommen.
Eine Scham für meine Ignoranz dem wahren Leben gegenüber, für meine Egozentrik und dafür, dass ich all das Wesentliche um mich herum nicht beachtet hatte - insbesondere denjenigen, der wusste, wie man zumindest ein klein wenig der Magie der Kindheit wieder zurück bekommt.